GKS-Projektreise nach Brasilien vom 2.11.bis 16.11.2011
Wir fliegen von Frankfurt am Main über Sao Paolo nach Salvador da Bahia. Padre Milo, der Prior des Klosters Sao Norberto, holt uns ab, da wir für die nächsten 4 Tage in seinem Kloster in Itinga wohnen werden. Itinga ist etwa 30 km von Salvador da Bahia entfernt und ist ein ärmlicher Vorort von Lauro de Freitas. Gemeinsam nehmen wir mit seinen 17 Klosterbrüdern des Premostratenserordens die Mahlzeiten ein.
Jeden Morgen werden wir vom ersten Hahnenschrei geweckt und vom Geläut zum Morgengebet. Pater Milo ist 74 Jahre alt und geborener Wiener. Die Pfarre in Itinga hat er gemeinsam mit seinem Klosterbruder Bernhard 1992 gegründet und betreut 28 Gemeinden. Seine Hauptarbeit ist die Seelsorge, er unterrichtet aber auch an der Universität und verdient so ein wenig Geld.
Nach dem Frühstück werden wir in zwei Kleinbussen zu einem Projekt der Georg Kraus Stiftung gefahren, zum Kindergarten Santa Rita. Hier werden 75 Kinder im Alter von 2 bis 4 Jahren kostenlos betreut, Kinder von bedürftigen Familien und von allein erziehenden Müttern. Leider hat er zu wenig Kapazität: 100 Kinder stehen auf der Warteliste. Der Anbau des Kindergartens wurde von der Georg Kraus Stiftung finanziert. Zwei Zimmer stehen noch leer, weil das Geld für die Einrichtung und für Kindergärtnerinnen fehlt.
Dann geht es zu einem Behelfskindergarten in der Favela Campo Verde. Nova Esperanza heißt er – neue Hoffung - und wird von Schwester Helen aus Neuseeland geleitet. Hier will Pater Milo einen neuen Kindergarten errichten und hofft auf Spenden. Das Grundstück hat das Kloster Sao Norberto billig erstanden, doch helfen bislang nur Mütter und Ehrenamtliche aus, die Kinder zu betreuen. Es gibt wenig Spielsachen, aber immerhin einen kleinen Fernseher.
Schließlich fahren wir noch zum Bairro da Paz, ins Friedensdorf, wie das Heim für Straßenkinder heißt. Es wird von italienischen Ordensschwestern geleitet mit Schwester Clara als Leiterin. 24 Mädchen werden dort momentan betreut, Kinder aus zerrütteten Familien, die ausgesetzt wurden oder selbst geflohen sind bzw. von der Fürsorge ins Heim überwiesen wurden.
Wir werden mit großem Hallo begrüßt und bekommen Tanz- und Gesangsvorstellungen, die die Mädels für uns einstudiert haben.
Der nächste Tag ist Salvador da Bahia gewidmet. Wir sehen die traumhafte Altstadt Pelourinho mit ihren Kolonialbauten an, besuchen Kirchen mit ungeahnten Goldschätzen und Malereien und erleben eine Bevölkerung, die uns mit ihrer Lebensfreude ansteckt. Immer wieder überraschen uns Trommler auf den Straßen, Tänzer, Sänger, Musiker. Salvador ist eine Stadt voller Leben und Lebensfreude, voller Temperament. Das schwarze, afrikanische Salvador da Bahia ist das musikalische Herz Brasiliens, und angeblich soll hier auch der größte Straßenkarneval der Welt gefeiert werden.
Wir lassen den Tag mit einem Theaterbesuch und afrikanischen Trommlern ausklingen.
Am Sonntag, den 6. November, besuchen wir in der Klosterkirche in Itinga die katholische Allerheiligen-Messe, ein Erlebnis für sich, denn soviel Fröhlichkeit und Leben und Musik in einer übervollen Kirche hat man nicht alle Tage. Dann fahren wir zum 60 km entfernten Küstenort Praia do Forte und besuchen auf dem Weg die Überreste der einzigen Feudalburg Amerikas, das Castelo Garcia D'Avila. Praia do Forte hat nicht nur kilometerlange Sandstrände, der Ort ist auch bekannt für seine Schildkrötenzucht als Schutzgebiet der aussterbenden Meeresschildkröte.
Am nächsten Tag heißt es Abschiednehmen von Pater Milo und seinen Ordensbrüdern. Das gemeinsame Essen im Kloster war uns übrigens immer ein großes Vergnügen. Wir fliegen von Salvador da Bahia über Sao Paolo nach Cuiaba, der Haupstadt des Bundesstaates Mato Grosso.
Am Vormittag laufen wir zum Kolleg Salesiano Santo Antonio. Hier werden nicht nur bis zu 800 Kinder unterrichtet, hier ist auch die Werkstatt von Bruder Alois Würstle. Er baut seit vielen Jahren Brunnen und Brücken für die Indianer, die immer noch wenig Rechte haben. Da 60 Prozent des Regenwaldes schon abgeholzt sind und in riesige Felder umgewandelt wurden, werden Petizide ohne Ende aus der Luft verstreut und verseuchen das Grundwasser. Bruder Alois fährt mit seinem Fuhrpark in die entlegenen Reservate und bohrt bis zu 150m tiefe Brunnen für die Indianer, damit sie sauberes Wasser zum Überleben haben.
Für sein Engagement bekam Bruder Alois 2009 das Bundesverdienstkreuz. Den Film darüber können wir abends in der Werkstatt sehen, die ganz schnell mit einfachen Mitteln in ein Restaurant verwandelt werden kann: mit Hilfe von Tischplatten und gestapelten Autoreifen. Einen Grill zaubert Alois auch noch hervor und schon gibt es Essen, begleitet von einem brasilianischen Trio – und das alles zwischen Werkstatt und Fuhrpark der Brunnenbauer-Mannschaft.
Nachdem wir uns in der Schule und in der Werkstatt verschiedene Wasserpumpen angesehen haben, geht es am nächsten Tag mit einem Bus zur 280 km entfernten Missionsstation Sangradoro. Wir fahren an endlosen Feldern vorbei. Auf drei Ernten bringen es die Großgrundbesitzer: Soja, Mais und Baumwolle. Halt machen wir in Campo Verde, einem Umschlagplatz für Soja und kommen schließlich in der Missionsstation an. Wieder ein herzlicher Empfang.
Bruder Alois ist übrigens mit uns mitgefahren, denn sein alter Schulfreund Josef Haslböck ist in unserer Gruppe auch dabei. Die beiden bauen seit mehr als 30 Jahren zusammen Brunnen. Dafür fährt Josef, der drei Kraftwerke in Bayern geleitet hat, jedes Jahr für viele Wochen nach Brasilien, um seinen Freund zu unterstützen. Auch beim Brunnenbau hilft die GKS finanziell.
Der Missionsstation schließt sich ein Dorf der Xevante Indianer an, das wir besuchen dürfen dank Alois und Josef. Beide sind gern gesehene Gäste bei den Indianern, weil sie für sauberes Wasser gesorgt haben und auch noch sorgen. Eine Indianermutter stellt ihre Kinder stolz unter die Dusche, die für das ganz Dorf reichen muß.
In Primavera essen wir zu Mittag und fahren 80 km weiter zur Mission Meruri. Hier hat Bruder Mario das Sagen, und hier übernachten wir in zwei Schlafsälen.
Am nächsten Tag besuchen wir ein Dorf der Bororo Indianer. Sowohl die Bororo wie auch die Xevante Indianer haben inzwischen eigene Reservate und sauberes Wasser zum Überleben. Die beiden Stämme waren früher verfeindet, doch leben sie inzwischen friedlich nebeneinander.
Die Missionsstationen sind die Anlaufstellen für Indianer, die immer noch sehr zurückgezogen leben, Es gibt zwar eine Behörde, die FUNASA, die für die Indianer zuständig ist, doch ist sie derart korrupt, daß das Personal ständig ausgetauscht werden muß.
In den Missionsstationen werden auch die Indianerkinder unterrichtet. Bruder Mario ist ganz stolz, daß er mit seinen Schulkindern einen deutschen Satz einstudiert hat und für uns auch gesungen wird. Und wieder ist da eine große Herzlichkeit bei allen Beteiligten.
Am folgenden Tag fahren wir zurück zur Missionsstation Sangradoro, essen gemeinsam mit den Schwestern und übernachten dieses Mal in Dreibettzimmern, nachdem wir ein weiteres Indianerdorf mitsamt seiner Brunnenanlage besuchen konnten.
Nun müssen wir in unserem Bus wieder zurück nach Cuiaba und machen einen Umweg über Chapada zu einem Wasserfall. Hier zwitschern viele Vögel, es ist ausgesprochen idyllisch.
Sonntag starten wir dann von Cuiaba aus ins 140 km entfernte Pantanal. Das ist das größte Feuchtsavannengebiet der Erde. Nirgendwo in Brasilien lassen sich mehr Tiere beobachten als hier. Am häufigsten tummeln sich Kaimane in den Flüssen und Tümpeln, und auch die Vogelwelt hat viel zu bieten. Das artenreiche Biotop wurde im Jahr 2000 zum Welterbe der UNESCO erklärt.
Untergebracht sind wir in der Pousada Rio Claro, und lassen den Tag ruhig ausklingen. Am nächsten Morgen sind wir dann mit zwei Booten unterwegs auf dem Rio Claro, wo wir viele Tiere sehen: Kaimane, die ganz nah ans Boot kommen, Wasserschweine, ja ganze Wasserschweinfamilien, die am Ufer entlang laufen und viele exotische Vögel. Und natürlich darf der majestätische Tuiuiu nicht fehlen, der brasilianische Storch, der einfach wunderschön anzusehen ist. Und dann müssen wir bald schon an die Heimat denken.
Wir fahren zurück zum Flughafen von Cuiaba, kaufen noch ein paar Andenken, verabschieden uns schweren Herzens von Bruder Alois, der uns allen sehr ans Herz gewachsen ist und fliegen über Sao Paolo zurück nach Frankfurt am Main
Ulrike Knapp












