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 Projektnummer: 115

Brasilien – Kinder- und Jugendzentrum “Portas Abertas” in Centenário 

Brasilien ist zwar ein Schwellenland, befindet sich aber aktuell  in der schwersten wirtschaftlichen und politischen Krise seit Jahrzehnten. Dies trifft besonders die Armen und Benachteiligten – und darunter vor allem die Kinder. Rio de Janeiro ist eine sozial tief gespaltene Stadt: Mehr als 1.000 Armenviertel, auf Portugiesisch „Favelas“, gibt es dort, oft in direkter Nachbarschaft von wohlhabenden, luxuriösen Wohnvierteln.

Kinder, die in Brasilien in Armut aufwachsen, sind ständigen Gefahren ausgesetzt: Polizeiübergriffe, Drogenhandel und sexuelle Ausbeutung beherrschen ihren Alltag.

Viele Kinder leiden Hunger. Alltäglich werden sie mit Alkohol, Drogen und häusliche Gewalt konfrontiert. Die Kinder erfahren wenig Geborgenheit, Eltern und Bezugspersonen können sich selten ausreichend um sie kümmern. Gemeinsam mit Kinder in Rio e.V. unterstützt die Georg Kraus Stiftung Kinder aus den Elendsvierteln im Bundesstaat Rio de Janeiro auf ihrem Lebensweg, damit sie nicht in die Spirale aus Kriminalität und Gewalt geraten.

Kinder in Rio e.V. setzt sich seit 50 Jahren für eine bessere Zukunft von Kindern und Jugendlichen in Rio de Janeiro ein. Zusammen mit MitarbeiterInnen in Brasilien werden derzeit 50 Familien und 1.000 Kinder und Jugendliche betreut.

Das Kinder- und Jugendzentrum

Im Kinder- und Jugendzentrum „Portas Abertas“ (dt.: Offene Türen) erleben die Kinder all das, worauf sie sonst verzichten müssen: Sicherheit, Halt, Vertrauen. Die pädagogischen Programme fangen sie auf, in den ErzieherInnen finden sie Bezugspersonen, die sie zuverlässig begleiten.

Das Kinder- und Jugendzentrum liegt in dem kleinen Dorf Centenário, in einer ländlich geprägten Region im Bundesstaat Rio de Janeiro, rund 130 Kilometer von der Metropole Rio entfernt. Die Menschen hier versuchen von der Landwirtschaft zu leben, vielen leben aber in Armut – ausgeschlossen von Bildungsmöglichkeiten oder von kulturellen und kreativen Angeboten. Die Kinder legen zur Schule weite Wege zurück – oft auch zu Fuß, da der öffentliche Nahverkehr nicht gut genug ausgebaut ist – und beginnen schon im Kindesalter auf den Feldern der Familie zu arbeiten.

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Selbstbewusst integriert

Die Kinder und Jugendlichen besuchen nachmittags nach der Schule das Kinder- und Jugendzentrum „Portas Abertas“ mit dem „Casa do Saber“ als Anlaufpunkt. Dort können sie an Freizeitaktivitäten teilnehmen, bekommen eine warme Mahlzeit und sauberes Trinkwasser. Das ist für sie nicht selbstverständlich. Die 4 geschulten Sozialarbeiter betreuen die Jungen und Mädchen und zeigen ihnen Perspektiven außerhalb von Drogen, Kriminalität und Gewalt.

Darüber hinaus wird mit Computerkursen, Nachhilfe, verschiedenen Sportangeboten und Musikunterricht die geistige und körperliche Entwicklung der Kinder gefördert und so die Voraussetzungen für ein besseres Leben geschaffen.

Durch die erlernten sozialen und geistigen Kompetenzen können sie sich leichter in die Gemeinschaft und auf dem Arbeitsmarkt integrieren.

Gemeinsam lernen

Jeder, der mitmachen möchte, wird aufgenommen. Die Mischung aus Halt und Freiheit, Forderungen und Möglichkeiten macht es Kindern leichter, die Herausforderungen der Kurse zu meistern. Ganz entscheidend ist, dass die Kinder mit der Erfahrung ihrer Potenziale Lebensfreude gewinnen, den Mut, etwas neu und anders zu machen und gemeinsam mit den anderen für ihre Ziele zu arbeiten und zu kämpfen. Sie lernen, dass gegenseitige Hilfe ein wichtiger Baustein für ihren Erfolg ist.

Selbstbestimmt leben

Für arme Jugendliche lauern überall Gefahren: Drogenbanden, Zwangsprostitution, sklavenähnliche Arbeit. Auch zu Hause sind sie nicht sicher, denn häusliche Gewalt beherrscht häufig ihren Alltag. Hiervon sind besonders Mädchen betroffen, die häufig mit ihren Eltern und Geschwistern in einem engen dunklen Raum leben, der gleichzeitig als Küche und Wohnzimmer dient – keine Rückzugsmöglichkeiten, keine Vertrauensperson in der schwierigen Zeit des Erwachsenwerdens. Sie müssen als Ersatz-Mütter fungieren, haben kein Selbstbewusstsein und sind leicht beeinflussbar.

In der „Mädchengruppe“ werden sie von geschulten Fachkräften (Psychologin, Sozialassistentin) beraten und können sich mit Gleichaltrigen austauschen. Sie erfahren den für ihre Lebensphase so wichtigen Halt, werden aufgefangen und gestärkt. Nur so können aus ihnen verantwortungsvolle Erwachsene werden, die ihr Leben selbst gestalten können.

Das Kinder- und Jugendzentrum „Portas Abertas“ ist viel mehr als eine Kinderbetreuung. Es wirkt hinein in das Viertel, stärkt und ermutigt Kinder, Jugendlichen und ihre Familien. Vor allem aber schenkt es den Kindern einen sicheren Ort und eine glückliche Kindheit.

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Die Georg Kraus Stiftung unterstützt gemeinsam mit der Grundschule Geweke in Hagen Haspe seit 2015 dieses Projekt. Zuletzt beteiligte sie sich an der Finanzierung für die barrierefreie Ausstattung des Hauses sowie der Anschaffung von Lernmaterial für seh- und hörbehinderte Menschen.

In 2017 setzt die Georg Kraus Stiftung die Kooperation mit der Grundschule Geweke weiter fort und fördert dieses Projekt indem sie das gesamte pädagogische und didaktische Material für 40 Mädchen und Jungen finanziert. Diese Materialien sind wichtig für die Kurse im Bereich Bildung: Hausaufgabenbetreuung, Nachhilfeunterricht, Informatik und „Leseschule“.

Neben den schulischen Kompetenzen sollen jedoch auch die sozialen Kompetenzen der Mädchen und Jungen gefördert sowie ihr Selbstbewusstsein gestärkt werden. Dies geschieht anhand der Zusatzkurse in den Bereichen Capoeira, Musik, Fußball und Tanz. Die für diese Zusatzkurse notwendigen Ausrüstungen, Instrumente, Uniformen etc. sind ebenfalls Bestandteil der Förderung.

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